Die tirol kliniken haben eine eigene Laufbahn für Advanced Practice Nurses aufgebaut: Seit Mitte 2024 gibt es eine Koordinationsstelle für APN und Pflegewissenschaft, und drei APNs sind bereits am LKH Innsbruck und am LKH Hall tätig. Das beschreibt der Landesspitalträger in einem Blogbeitrag vom 8. Jänner 2026.

Das Modell

Die Koordinationsstelle leitet Helmut Täubl. Sie soll Pflegepersonen den Weg in eine erweiterte Praxisrolle ebnen und die Mitarbeiter:innen auf dem Weg zur APN begleiten. Der Einstieg erfolgt nicht nach einem starren Schema: Laut Täubl werden für jede Interessentin und jeden Interessenten die Optionen individuell geprüft und intensiv mit dem jeweiligen Bereich — Pflegedirektion, Pflegedienstleitung und direkte Vorgesetzte — abgestimmt.

Die fachliche Grundlage bildet das Masterstudium „Advanced Nursing Practice“ an der UMIT TIROL in Hall. Es richtet sich an diplomierte Pflegepersonen mit Berufserfahrung, die sich in einem klinischen Feld spezialisieren wollen. APNs arbeiten laut Täubl direkt mit Patient:innen, beraten und schulen Betroffene und Angehörige, unterstützen Kolleg:innen fachlich und wirken an Forschungsprojekten und der Entwicklung von Leitlinien mit.

Die ersten drei APNs

Drei Pflegeexpert:innen haben diesen Weg bereits gemacht. Sie waren die ersten Mitarbeiterinnen der tirol kliniken, die das viersemestrige Masterstudium an der UMIT TIROL abgeschlossen haben; laut einem Bericht von MeinBezirk fand die Sponsion im Frühjahr 2025 statt.

Verena Friedrich ist APN am LKH Innsbruck für Demenz und Delir und übernimmt eine tragende fachliche Rolle in der Initiative „Demenz braucht Kompetenz“. Hannah Bernögger (in anderen Quellen auch „Hanna“ geschrieben) ist am LKH Innsbruck in der Transplantationspflege tätig, fungiert als erste Ansprechperson für Patient:innen und koordiniert die Betreuung über eine digitale Plattform. Andrea Eiter arbeitet am LKH Hall in der Alterstraumatologie auf der Orthopädie-Trauma-Station und betreut darüber hinaus das gesamte Haus in Sturzprävention und Entlassungsmanagement.

Konkrete Ausbauzahlen für die kommenden Jahre nennt der Beitrag nicht.

Einordnung für den DACH-Raum

Tirol reiht sich damit in die Liste der österreichischen Spitalsträger ein, die APN-Rollen ohne bundesgesetzliche Vorgabe selbst gestalten — neben der NÖ Landesgesundheitsagentur mit ihrem Karrieremodell und dem Uniklinikum Salzburg mit seiner APN-Spezialambulanz. Das Muster ist überall ähnlich: Masterabschluss an einer Hochschule, eine zentrale Koordinations- oder Stabsstelle, und die Rolle wird je Abteilung individuell verhandelt. Was fehlt, ist die berufsrechtliche Klammer: Das GuKG kennt keine geschützte APN-Bezeichnung, und § 15b regelt nur eng begrenzte Weiterverordnungen. In Deutschland eröffnet § 4a PflBG (BEEP) seit dem 1. Jänner 2026 heilkundliche Befugnisse, ein eigenes APN-Gesetz ist angekündigt; die Schweiz verankert die Rolle über die GesBG-Revision, der der Nationalrat im April 2026 zugestimmt hat und auf die die Ständeratskommission am 2. September 2026 eingetreten ist. Für Pflegeexpert:innen APN in Österreich bleiben Modelle wie das Tiroler vorerst der realistischste Karriereweg.