Wie steht die deutsche Bevölkerung zu erweiterten Pflegerollen? Eine im Journal of Advanced Nursing erschienene Querschnittstudie liefert erstmals eine große Stichprobe: 52,8 Prozent der Befragten unterstützen eine Ausweitung der APN-Rollen, 25 Prozent lehnen sie ab, der Rest ist unentschieden.
Die Studie
Sebastian Jäckle (Institut für Politikwissenschaft, Universität Freiburg) und Sabine Valenta (Pflegewissenschaft, Institut für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Fakultät der Universität Tübingen) werteten eine Online-Befragung aus, die vom 15. bis 28. Juli 2024 im Rahmen des Politikpanels Deutschland durchgeführt wurde. In die Analyse gingen 6.733 Teilnehmende ein. Der Beitrag „Public Attitudes Towards Expanding the Role of Advanced Practice Nurses in Germany: A Cross-Sectional Survey Study“ erschien am 26. März 2026 (DOI 10.1111/jan.70594).
Wer zustimmt — und wer nicht
Die Zustimmung ist nicht gleichmäßig verteilt. Höhere Unterstützung zeigten laut Abstract jüngere Personen, Männer, höher Gebildete sowie Befragte, die digitalen Gesundheitstechnologien gegenüber aufgeschlossen sind. Regional fiel die Zustimmung in Ostdeutschland sowie in den Stadtstaaten Berlin und Bremen niedriger aus, im Südwesten und im Norden höher. Auch die politische Orientierung war ein signifikanter Faktor: Anhänger:innen rechter Parteien lehnten die Ausweitung eher ab, linksorientierte Wähler:innen waren zustimmender. Die Autor:innen folgern, dass die öffentliche Akzeptanz moderat, aber ungleich verteilt ist.
Was das bedeutet
Für die Berufspolitik ist die Zahl doppelt nützlich. Sie belegt, dass eine relative Mehrheit erweiterte Pflegerollen mitträgt — ein Argument, das in der Debatte um das angekündigte APN-Gesetz und die Umsetzung von § 4a PflBG (BEEP) seit 1. Jänner 2026 bislang fehlte. Zugleich zeigt sie, wo Aufklärung nötig ist: Ein Viertel Ablehnung und ein großer unentschiedener Block sprechen dafür, dass Rolle und Nutzen von Pflegeexpert:innen APN in der Öffentlichkeit noch wenig bekannt sind.
Einordnung für den DACH-Raum
Vergleichbare Bevölkerungsdaten fehlen für Österreich und die Schweiz weitgehend. In der Schweiz, wo die GesBG-Revision nach der Zustimmung des Nationalrats im April 2026 nun in der zuständigen Ständeratskommission eingetreten ist und der Ständerat noch aussteht, und in Österreich, wo nach den GuKG-Novellen und § 15b GuKG über die weitere Verankerung diskutiert wird, könnte eine ähnliche Erhebung die Argumentation der Verbände stützen. Die deutschen Befunde legen nahe, dass Akzeptanz nicht nur von fachlichen Argumenten abhängt, sondern von Alter, Bildung, Region und politischem Milieu — Faktoren, die Öffentlichkeitsarbeit gezielt adressieren kann.