Der britische Nursing and Midwifery Council (NMC) hat am 17. Juli 2026 die Rolle der Advanced Practitioners ausdrücklich bekräftigt und den Fahrplan für eine zusätzliche Regulierung bestätigt: Anfang 2027 beginnt die Entwicklung von Kompetenz- und Programmstandards.

Der Anlass

Auslöser war eine Umfrage der British Medical Association (BMA) zum Thema „Medical Substitution“. Ihr zufolge versteht die Öffentlichkeit die Rollen im NHS und die Ausbildung von Advanced Practitioners nur unzureichend. Beim Annual Representative Meeting der Ärztevertretung wurde zudem eine Motion verabschiedet, die nationale Praxisrahmen fordert und verlangt, dass Arbeitgeber Advanced Practitioners ergänzend statt ersetzend einsetzen.

Die Antwort des NMC

Der NMC, der über 867.000 Pflegende und Hebammen reguliert, beschreibt Advanced Practitioners als hochqualifizierte Fachpersonen mit zusätzlicher Ausbildung, die sichere, personenzentrierte Versorgung innerhalb ihres individuellen Kompetenzbereichs leisten. Chris Dzikiti, Executive Director of Professional Practice, sagte: „Advanced Practitioners work alongside doctors as highly skilled and valued members of multi-disciplinary teams.“ Als Teil der Arbeit an einer zusätzlichen Regulierung werde der NMC Standards of Proficiency und Standards für Advanced-Practice-Programme festlegen; das solle der Öffentlichkeit weiteres Vertrauen in Rolle und Kompetenz der Praktiker:innen auf Advanced-Level geben.

Grundlage sind die im Juni 2025 veröffentlichten „Principles for Advanced Practice“. Die Standardentwicklung soll Anfang 2027 starten, vorbehaltlich einer öffentlichen Konsultation. Bereits im Februar 2025 hatte Nursing in Practice berichtet, dass die Konsultation zu Entwurfsstandards für das Finanzjahr 2027/28 terminiert ist — nachdem der Zeitplan zuvor erneut verschoben worden war, was etwa das Queen’s Nursing Institute mit Enttäuschung kommentierte.

Einordnung für den DACH-Raum

Das britische Modell — Prinzipien, dann Standards, dann Regulierung — wird in Österreich, Deutschland und der Schweiz regelmäßig als Referenz genannt. Bemerkenswert ist die Parallele in der Auseinandersetzung: Die BMA argumentiert mit „Substitution“, ähnlich wie Teile der Ärzteschaft in Deutschland und Österreich in der Delegations- und Substitutionsdebatte. Zugleich zeigt der Fall, dass selbst ein System mit langjährig etablierten Advanced-Practice-Rollen Jahre braucht, um verbindliche Standards zu setzen. In Deutschland gilt seit 1. Jänner 2026 die selbstständige Heilkundeausübung nach § 4a PflBG (BEEP), ein eigenes APN-Gesetz ist angekündigt; die Schweiz hat mit der GesBG-Revision im Nationalrat einen ersten Schritt gemacht, der Ständerat entscheidet noch; Österreich verhandelt über die Weiterentwicklung von § 15b GuKG hinaus. Der NMC-Fahrplan liefert für alle drei Länder ein Argument: Rollenklarheit entsteht nicht durch Gesetzestext allein, sondern durch verbindliche Ausbildungs- und Kompetenzstandards.