Wer APN-Rollen aufbaut, muss nicht bei null anfangen: Ein am 1. August 2026 online erschienener Scoping Review im International Journal of Nursing Studies Advances ordnet 22 internationale Theorien, Modelle und Frameworks zum Management von Advanced-Practice-Rollen und arbeitet ihre gemeinsamen Kernelemente heraus.

Was untersucht wurde

Das Autor:innenteam um Shifan Han und Qian Zhang (Shanxi Medical University, Taiyuan, u. a.) durchsuchte fünf Datenbanken — Web of Science, CINAHL, PubMed, Cochrane Library und Embase — von deren Beginn bis August 2025. Methodisch folgte die Arbeit dem Rahmen von Arksey und O’Malley sowie den JBI-Leitlinien für Scoping Reviews. Der Beitrag „State of the art on advanced practice nursing role management international theories, models and frameworks: A scoping review“ (DOI 10.1016/j.ijnsa.2026.100620) ist Open Access unter CC BY-NC-ND lizenziert und erscheint in Band 11 des Journals.

Die Ergebnisse

Die 22 identifizierten Frameworks verteilen sich auf vier Kategorien: umfassende Rahmenmodelle (2), Rollendefinition (7), Rollenimplementierung (8) und Rollenevaluation (5). Innerhalb dieser Kategorien fanden die Autor:innen jeweils rund 20 gemeinsame Kernelemente. Durchgängig betont werden drei Dinge: eine erweiterte, patientenzentrierte Praxis, eine theoretische und professionelle Fundierung der Rolle sowie eine evidenzinformierte Rollenentwicklung. Ziel der Arbeit ist laut Abstract, eine Grundlage für Politikentwicklung und die nachhaltige Integration von APN-Rollen in neuen Versorgungssettings zu liefern.

Was das für die Praxis bedeutet

Der Review liefert keine neue Vorlage, sondern eine Landkarte: Er zeigt, welche Modelle es gibt, wofür sie gedacht sind und worin sie übereinstimmen. Für Träger, die eine APN-Stelle einrichten, ist die Unterscheidung zwischen Definitions-, Implementierungs- und Evaluationsmodellen praktisch relevant — viele Projekte scheitern nicht an der Rollenbeschreibung, sondern an fehlender Evaluation.

Einordnung für den DACH-Raum

Im deutschsprachigen Raum laufen derzeit zahlreiche Implementierungsprojekte, von den APN-Pilotprojekten in Salzburg und Niederösterreich über die Umsetzung von § 4a PflBG (BEEP) in Deutschland bis zu den Spitälern der Schweiz, wo die GesBG-Revision die Rolle gesetzlich verankern soll — die zuständige Ständeratskommission ist auf die Vorlage eingetreten, der Entscheid im Ständerat selbst steht noch aus. In Österreich fehlt trotz § 15b GuKG weiterhin ein einheitlicher Rahmen für die Rollenentwicklung. Gerade dort, wo der Gesetzgeber Kompetenzen erweitert, aber keine Strukturen vorgibt, können international erprobte Frameworks helfen, Rollen nachvollziehbar zu definieren und ihren Nutzen messbar zu machen.