Der Chef des Weltbunds der Pflegefachpersonen war in Salzburg: Howard Catton, CEO des International Council of Nurses (ICN), hielt am 14. Juli 2026 am Fachbereich Pflegewissenschaft und -praxis der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) einen Vortrag unter dem Titel „Pflege gestaltet die Zukunft der Gesundheitsversorgung“.

Was Catton gesagt hat

Laut PMU stellte Catton globale Herausforderungen wie demografischen Wandel, chronische Erkrankungen, Personalmangel und gesundheitliche Ungleichheit in den Mittelpunkt und plädierte für eine Versorgung mit stärkerem Fokus auf Prävention, interprofessionelle Zusammenarbeit und Patient:innenzentrierung. Investitionen in Pflege seien Investitionen in die Zukunft funktionierender Gesundheitssysteme.

Gegenüber dem ORF Salzburg wurde er beim Thema Personalplanung deutlich: „Wenn man feststellt, wir brauchen zehn, 20 Prozent Pflegekräfte aus dem Ausland, stimmt die Planung nicht.“ Den Personalbedarf passend zur Bevölkerung zu ermitteln, sei keine Raketenwissenschaft, sondern eine Frage der Planung. Die Wiederbelebung mobiler Community Nurses in Salzburg lobte er als Entlastung für die Krankenhäuser. Der ICN vertritt nach eigenen Angaben 30 Millionen Pflegefachpersonen weltweit; die PMU hat laut ORF über 600 Studierende im Pflegebereich.

Erweiterte Pflegerollen als Forderung

In seiner Nachlese vom 17. Juli 2026 hob der ICN hervor, dass Catton in Salzburg Investitionen in die Ausbildung für Advanced Practice Nursing und die Ermöglichung erweiterter Praxis gefordert habe — mit Kompetenzen zur Einschätzung und Diagnostik, zur Verschreibung, zur Koordination der Versorgung und zum Management chronischer Erkrankungen. Catton traf dabei rund 30 Masterstudierende des Studiengangs Advanced Nursing Practice. Beteiligt waren laut ICN und ORF unter anderem Jürgen Osterbrink, Leiter des Instituts für Pflegewissenschaft und -praxis der PMU, der Landes-Pflegebeauftragte Karl Schwaiger und PMU-Rektorin Annemarie Weißenbacher. PMU-Kanzlerin Pia Hössl-Dworschak betonte im ORF-Interview, Medizin und Pflege seien untrennbar miteinander verbunden.

Einordnung für den DACH-Raum

Cattons Forderungen treffen in allen drei Ländern auf laufende Gesetzgebungsprozesse. In Österreich existieren mit Community Nursing und den Verordnungsrechten nach § 15b GuKG erste Bausteine, ein berufsrechtlich abgesichertes APN-Profil mit Diagnose- und Verordnungskompetenz fehlt jedoch. Deutschland hat mit § 4a PflBG seit dem 1. Jänner 2026 die eigenverantwortliche Heilkundeausübung eröffnet und ein eigenes APN-Gesetz für die zweite Jahreshälfte 2026 angekündigt. In der Schweiz hat der Nationalrat der GesBG-Revision im April 2026 zugestimmt, die Ständeratskommission ist am 2. September 2026 auf die Vorlage eingetreten, die Entscheidung des Ständerats steht aus. Der ICN-Besuch liefert der Debatte einen internationalen Referenzrahmen: Wer die Abhängigkeit von Zuwanderung reduzieren will, muss Ausbildung, Rollen und Kompetenzen der eigenen Pflegefachpersonen ausbauen.