Niedersachsen bekommt einen neuen APN-Master: An der Hochschule Hannover startet der Studiengang „Erweiterte Pflegepraxis – Advanced Nursing Practice (ANP) / Community Health Nursing (CHN)“. Der DBfK Nordwest begrüßt das am 15. September 2026 als wichtiges Signal — und verbindet es mit einer klaren Forderung an die Landesregierung.

Der Studiengang

Laut Studiengangseite der Hochschule Hannover (Fakultät V — Diakonie, Gesundheit und Soziales) ist der Master berufsbegleitend angelegt, mit Blockwochen und verteilten Präsenztagen. Er umfasst fünf Semester und 120 ECTS, schließt mit dem Master of Science ab und startet erstmals zum Wintersemester 2026/27 mit 20 Studienplätzen. Zugelassen wird, wer einen Bachelor oder gleichwertigen Abschluss mit mindestens 30 ECTS pflegewissenschaftlichem Anteil sowie eine gültige pflegerische Berufszulassung nachweist. Bewerbungsfrist ist jeweils der 15. Juli. Zwanzig Pflichtmodule bereiten auf hochkomplexe pflegerische Situationen, heilkundliche Tätigkeiten und die Entwicklung neuer Rollenprofile vor.

Der DBfK hebt hervor, dass der Studiengang für Aufgaben in ländlichen Gemeinden, im Öffentlichen Gesundheitsdienst und in Beratungsstellen qualifiziert. Seine generalistische Ausrichtung sei in Niedersachsen bislang einzigartig.

Die Stimmen

DBfK-Nordwest-Vorstandsmitglied Janine Wehrli: „Der neue Masterstudiengang legt einen wichtigen Grundstein dafür, dass Pflegefachpersonen neue Rollen mit erweiterten Kompetenzen wahrnehmen können.“ Prof. Dr. Nina Fleischmann von der Hochschule Hannover sieht in dem Angebot einen Beitrag zu einer besseren Versorgungslandschaft mit neuen Rollenprofilen.

Wie CHN in der Praxis aussieht, zeigt die Pressemitteilung am Beispiel von Miriam Steens, die seit Juli 2025 als Community Health Nurse in einem Forschungsprojekt in Bremervörde/Zeven arbeitet und dort Angebote für Menschen mit Demenz entwickelt: „Vielen Betroffenen fehlen niedrigschwellige und verständliche Informationen zum Thema Demenz außerhalb des Internets.“ Gemeinsam mit lokalen Einrichtungen hat sie Informationsveranstaltungen aufgebaut — „Ich erlebe, wie durch dieses Projekt Vertrauen und Strukturen entstehen.“

Die Forderung

Der DBfK Nordwest fordert die niedersächsische Landesregierung auf, den bisherigen Modellbetrieb von Community Health Nurses in ein festes Element der Gesundheitsversorgung zu überführen. Wehrli: „Jetzt muss das Land die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sie ihre Kompetenzen auch flächendeckend in Niedersachsen einbringen können.“

Einordnung für den DACH-Raum

In Deutschland wächst das Angebot an APN-Masterprogrammen, während die Rechtslage nachzieht: Seit 1. Jänner 2026 erlaubt § 4a PflBG (BEEP) die eigenverantwortliche Heilkundeausübung, und das BMG hat ein eigenes APN-Gesetz mit generalistischem Master als Berufszugang angekündigt. Der Hannoveraner Studiengang passt in dieses Bild — ob CHN-Stellen über Modellprojekte hinaus finanziert werden, entscheiden aber Länder und Kostenträger. In Österreich bleibt die APN-Rolle im GuKG über Spezialisierungen und § 15b nur teilweise abgebildet, und die Schweiz wartet nach dem Ja des Nationalrats zur GesBG-Revision auf den Ständerat, dessen Kommission am 2. September 2026 auf die Vorlage eingetreten ist.