Welche Fähigkeiten brauchen Gesundheitsfachpersonen in den kommenden Jahren? Die Zürcher Bildungsstiftung Careum hat darauf am 10. September 2026 eine strukturierte Antwort veröffentlicht: einen Kompetenzrahmen für eine zukunftsfähige Gesundheitswelt mit 7 Kompetenzbereichen und 25 Kompetenzclustern.
Wie der Rahmen entstanden ist
Unter der wissenschaftlichen Projektleitung von Dr. Gert Ulrich wurden zunächst 527 Kompetenzbeschreibungen zusammengetragen. Grundlage waren eine systematische Recherche wissenschaftlicher Literatur, die Analyse grauer Literatur — Berichte und Publikationen relevanter Institutionen, Websites, Newsletter — sowie eine Fokusgruppe mit Expert:innen aus Bildung und Versorgung. Ein internes pädagogisch-wissenschaftliches Gremium begleitete den Prozess bis zum Konsens. Das Ergebnis wurde zu sieben Bereichen und 25 Clustern verdichtet; der Rahmen und ein Anhang mit Methodik und vollständigem Katalog stehen als PDF zum Download bereit.
Welche Kompetenzen im Vordergrund stehen
Careum nennt als Schwerpunkte Systemdenken und Versorgungskoordination, Veränderungskompetenz, Resilienz und den Umgang mit Unsicherheit, interprofessionelle Zusammenarbeit, kritisches Denken und evidenzbasiertes Handeln, den Umgang mit KI und digitalen Technologien sowie Nachhaltigkeit und Planetary Health. „Besonders relevant erscheinen in den kommenden Jahren Kompetenzen, die helfen, komplexe Systeme zu verstehen und Veränderungen aktiv zu gestalten“, heisst es in der Mitteilung.
Bewusst wird Kompetenz nicht nur individuell gedacht: „Eine zukunftsfähige Gesundheitswelt ist nicht allein eine Frage individueller Kompetenzen“, so Careum. Der Rahmen bezieht die Team-, Führungs- und Organisationsebene ein und richtet sich an Bildungsinstitutionen und Weiterbildungsanbieter für die Reflexion von Curricula ebenso wie an Gesundheitsorganisationen für Personal-, Führungs- und Organisationsentwicklung.
Einordnung für den DACH-Raum
Für Pflegeexpert:innen APN liest sich die Liste wie eine Beschreibung des eigenen Rollenprofils: Versorgungskoordination, Systemdenken, evidenzbasiertes Handeln und interprofessionelle Zusammenarbeit gehören zum Kern erweiterter Pflegepraxis, wie sie in der Schweiz mit der laufenden GesBG-Revision (Nationalrat im April 2026 zugestimmt, Ständeratskommission am 2. September 2026 eingetreten, Ständerat ausstehend) erstmals bundesrechtlich definiert werden soll. Auch für deutsche Masterprogramme, die seit dem 1. Jänner 2026 auf § 4a PflBG (BEEP) und das angekündigte APN-Gesetz zulaufen, sowie für österreichische Studiengänge im Kontext des § 15b GuKG liefert der Rahmen eine verwendbare Referenz für Curriculumentwicklung und Kompetenznachweise. Careum ist als Bildungsakteur in der Schweiz gut vernetzt; ob und wie Hochschulen den Rahmen aufgreifen, wird sich in den kommenden Semestern zeigen.