Der 4. ANP Award Austria geht an DGKP Dominik Beer, BSc MSc ANP vom Uniklinikum Salzburg — für eine APN-geführte Spezialambulanz, die in zwei Jahren über 770 Patient:innen versorgt hat. Mit dem 13. ANP-Kongress endet zugleich eine Ära: Die FH Oberösterreich übergibt ihre ANP-Agenden nach 18 Jahren an das Forum ANP Austria.

Die Preisträger:innen

Der Award wurde am 21. April 2026 beim ausgebuchten 13. ANP-Kongress im Schlossmuseum Linz verliehen, der unter dem Motto „KI und Menschlichkeit“ stand. 26 Projekte waren eingereicht. Die Jury des Forum ANP Austria kürte neben dem Salzburger Erstplatzierten drei weitere Projekte:

  • 2. Preis: Martina Spalt, BSc MSc, und Dr. Patrik Heindl (Universitätsklinikum AKH Wien) — „Telenurse in der Onkologie“
  • 3. Preis: Bettina Rieger, APN, und Martina Bursch (LKH Graz II, Standort Enzenbach) — telemedizinische Entlassungsbegleitung für Menschen mit invasiver außerklinischer Beatmung
  • Innovationspreis: Mag. David Blocher (Universitätsklinikum AKH Wien) — „The missing link: Family Nurse Practitioner auf der Pädiatrischen Intensivstation (PICU)“

Überraschend erhielt Silvia Neumann-Ponesch, wissenschaftliche Leiterin des Kongresses, einen ANP-Ehren-Award für ihre Verdienste um die Entwicklung und Etablierung von ANP in Österreich. Die Laudatio hielt Elisabeth Rappold (Gesundheit Österreich GmbH).

Das Siegerprojekt aus Salzburg

Beers „APN-Spezialambulanz Respiratory Nursing“ richtet sich an Menschen mit schlafbezogenen Atmungsstörungen und chronischer respiratorischer Insuffizienz, die auf eine Atemunterstützung mit CPAP oder BiPAP angewiesen sind. Eine spezialisierte Pflegeperson koordiniert die Versorgung entlang des gesamten Behandlungspfads, eng abgestimmt mit dem ärztlichen Team der Pneumologie. Laut Uniklinikum Salzburg wurden in den ersten zwei Jahren über 770 Patient:innen betreut, die Therapieabbrüche gingen deutlich zurück. Die Jury würdigte ausdrücklich Beers „erweiterte und vertiefte pflegefachlich-klinische Tätigkeit“ sowie seine Mitarbeit in zwei Bundesexpert:innengruppen der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie.

Staffelübergabe an das Forum ANP Austria

Der 51. ANP-Newsletter der FH OÖ erschien als Letztausgabe: Die über 18 Jahre gewachsenen ANP-Aktivitäten der Hochschule werden in dieser Form nicht fortgeführt. Den Kongress trägt künftig das Forum ANP Austria weiter; als neuer Koordinator wird Daniel Hausmann, MSc ANP (Geriatrische Gesundheitszentren der Stadt Graz) genannt. Zum Kongress erschien zudem die 2. überarbeitete Auflage von „Advanced Nursing Practice verstehen — anwenden — umsetzen“ (Neumann-Ponesch/Leoni-Scheiber).

Einordnung für den DACH-Raum

Die prämierten Projekte zeigen, wo APN-Praxis in Österreich heute steht: in Spezialambulanzen, Telenursing und pädiatrischer Intensivpflege — mit dokumentierten Outcomes, aber ohne bundeseinheitlichen Berufsrahmen. Deutschland hat seit dem 1. Jänner 2026 mit § 4a PflBG (BEEP) erste heilkundliche Befugnisse verankert und kündigt ein eigenes APN-Gesetz an; die Schweiz steuert mit der GesBG-Revision (Nationalrat im April 2026 zugestimmt, Ständeratskommission am 2. September 2026 eingetreten) auf die gesetzliche Verankerung zu. In Österreich bleibt die Rolle über GuKG und § 15b hinaus Sache der Träger. Dass die zentrale ANP-Plattform des Landes nun von einer Hochschule in ein Fachforum übergeht, macht die Frage nach einer stabilen, verbandsübergreifenden Struktur umso dringlicher.